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Anthroposophie ist keine Lehre

Anthroposophie ist kein von Rudolf Steiner fertig ersonnenes Weltbild, sondern eine bewusst gesuchte Beziehung zum Geistigen im Menschen. Die Werke Rudolf Steiners sind keine theoretischen Konstrukte, sondern ermöglichen Begriffsbildungen, die – wenn richtig gehandhabt – eine Erkenntnis von seelisch-geistigen Realitäten und ein geistesgegenwärtiges Handeln fördern.

Es ist wenig verwunderlich, dass von Seiten einer materialistischen Weltanschauung, die seelisch-geistige Realitäten dogmatisch leugnet, der Anthroposophie jegliche wissenschaftliche Existenzberechtigung abgesprochen wird.

Die Früchte der Anthroposophie – z.B. in der Medizin, der bio-dynamischen Landwirtschaft und auch in der Pädagogik – legen ein anderes Zeugnis ab. - Von den Lehrern wird erwartet, dass sie sich mit Anthroposophie auseinandersetzen, nicht aber von den Eltern, von
denen sich in der Regel nur etwa 1 - 5 % näher damit beschäftigen.

Die Lehrer erhalten dazu u. a. Gelegenheit in einer zusätzlichen Lehrerausbildung für Waldorfschulen.
Anthroposophie ist nicht Lehrinhalt an der Waldorfschule

Rudolf Steiner gründete 1919 die erste Waldorfschule in Stuttgart. Die Idee dazu ging von Emil Molt aus, dem fortschrittlich gesinnten und sozial engagierten Besitzer der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik, der eine Schule für die Kinder seiner Arbeiter einrichten wollte. Inhalt und Methode der Waldorfpädagogik beruhen auf Rudolf Steiners Erkenntnissen über die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Neben der Pädagogik fanden Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Forschungen auch Eingang in die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die Medizin und die Kunst.

Rudolf Steiner war promovierter Philosoph und hat sich Zeit seines
Lebens nicht gescheut, seine oft sehr kritischen Gedanken über
die Zeitlage, die vermeintlichen Grenzen des Erkennens und das
Wirken seiner Mitarbeiter scharf zu äußern. Früh beschäftigte er
sich mit Mathematik, den Naturwissenschaften sowie Goethes
naturwissenschaftlichen Schriften. Er betonte oft die Notwendigkeit
einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung als
Voraussetzung für ein Verständnis der Anthroposophie. Es ist eine
auch heute noch wenig bekannte Tatsache, dass er vor dem
ursprünglichen Lehrerkollegium über vierzig Vorträge in drei Zyklen
über Naturwissenschaft hielt.

Steiners Erkenntnismethode war keineswegs vage und okkult-
nebulös, wie manchmal behauptet wird. Nur deswegen konnte sie
sich auf so vielen Gebieten als äußerst lebenspraktisch und kultur-
erneuernd erweisen, zum Ärgernis derjenigen, die durch solche
Kulturerneuerungen den geistigen Status quo und damit
verbundene Machtinteressen bedroht sehen. Daher wurden und
werden Waldorfschulen weder von faschistisch noch von
kommunistisch bestimmten Staaten geduldet. Wie das Verständnis
der Quantenmechanik setzt auch das Verständnis der
Anthroposophie eine Auseinandersetzung mit ihren Grundlagen
durch ein intensives Studium voraus. Anderenfalls läuft eine Kritik
an einzelnen, zunächst fremdartig erscheinenden oder
zeitbedingten Äußerungen in dem 360 Bände umfassenden
Gesamtwerk Gefahr, das von Rudolf Steiner eigentlich Gemeinte
miss zu verstehen

Seelenübungen

Spruchdichtungen

Vorträge

Lebendiges Unterrichten als Grundlage für die Autorität des Unterrichtenden Zufriedenheit mit einer Unterrichtsstunde sollte, so Rudolf Steiner, einen Lehrer nicht dazu verleiten, sie später zu wiederholen.

Denn nur wer sich am Leben orientiert, ist ständig in Verwandlung begriffen. Auf der lebendigen Ausgestaltung des Unterrichtsinhaltes gründet die natürliche Autorität des Grundschullehrers.

Echte Autorität setzt ein Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schüler voraus. Rudolf Steiner betont, dass es "unendlich wichtig" sei, dass das Grundschulkind an dem Erzieher bzw. Lehrer "eine selbstgewählte, freiwillig gewählte Autorität empfindet". Dazu muss sich der Lehrer erst als würdig erweisen.

Eine autoritäre Haltung ist diesem Ideal diametral entgegengesetzt. Bereits Rudolf Steiner hatte vorgeschlagen, den Lehrerberuf dadurch immer wieder an das Leben heranzuführen und damit dem "Burn-out-Syndrom" entgegenzuwirken, dass in einem Sabbatjahr der Lehrer z.B. in wirtschaftlichen Berufen arbeitet.

Es ist richtig, dass diese Aktivitäten zusammen mit dem Lernpensum in manchen Schuljahren eine Doppelbelastung für die Schüler bedeuten. Hier müssen immer wieder individuelle Lösungen gefunden werden.

Tatsächlich liegen die Waldorfschulen aber – was die Abschlüsse angeht – gleichauf mit den staatlichen Regelschulen, meist liegen sie sogar über dem Durchschnitt.

Die Waldorfschule ist konfessionell nicht gebunden Zunächst entscheiden die Eltern, welchen Religionsunterricht ihr Kind besucht, später entscheiden die Jugendlichen selbst.

Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Erkenntnisse sind zu keinem Zeitpunkt Gegenstand des Unterrichts.

Während der ganzen Oberstufe werden die Schüler in allen Fächern von Fachlehrern unterrichtet.

Die handwerklichen Fähigkeiten, die sie sich über die gesamte Schulzeit hinweg haben aneignen können, werden von der 8. Klasse an durch mehrere Praktika ergänzt: In einem Landwirtschafts- und einem Forstpraktikum, einem Feldmess-, einem Betriebs- und einem Sozialpraktikum erhalten die Schüler eine ausgesprochen lebensnahe Ausbildungsgrundlage. Dabei liegt der eigentliche Sinn der Praktika nicht in der Berufsfindung, sondern im Erüben sozialer und persönlicher Fähigkeiten.

Die Waldorfschulen nennen sich „freie Schulen“. Heißt das, dass die Kinder dort antiautoritär erzogen werden? Nein. Waldorflehrerinnen und -lehrer bauen im Gegenteil in der Unterstufe ein von „liebevoller Autorität“ geprägtes Verhältnis zu ihren Schülern auf. Kinder suchen ihre Grenzen. Nur wenn sie ihre Grenzen von den Erwachsenen erfahren, fühlen sie sich einerseits sicher und erleben sich andererseits als eigene Persönlichkeit. Im Laufe der Schulzeit wandelt sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis mit der Entwicklung der Heranwachsenden.

Lernen an Bildern

Das Lernen im Grundschulalter ist noch nicht gedanklich abstrakt, sondern bildhaft konkret. Bilder, die die Schüler innerlich bewegen können, ermöglichen es, ein Gefühl für die Erscheinungen der Welt auszubilden und sie daran zu begreifen.

Rudolf Steiner (1861 - 1925, Begründer der Waldorfschule) warnte davor, Kinder zu früh in Mehr- und Minderbegabte zu klassifizieren."Denn wir werden die Erfahrung machen, dass die sogenannten Minderbegabten meistens nur später begreifen".

Seine Empfehlung lautete: Die Begrenzung zwischen den einzelnen Klassenstufen weniger scharf sein zu lassen und Kinder möglichst lange gemeinsam lernen zu lassen. Dann wirft er "Lichter hinüber  zu den Lehrplänen gegenwärtiger Schulen, damit wir den Kompromiss ordentlich brav schließen können".

Man kann die Frage stellen, was im heutigen Waldorflehrplan auf den "braven Kompromiss" mit damaligen Lehrplänen, was auf die Ideale der Waldorfpädagogik zurückzuführen ist.

In einer Gemeinschaft, die von Beständigkeit und Rhythmus geprägt ist, können Kinder sich gesund entfalten. Um ihnen darin eine verlässliche Stütze zu sein, begleitet ein Waldorf-Klassenlehrer seine Klasse nach Möglichkeit acht Jahre lang durch den Hauptunterricht, der die ersten beiden Stunden eines Schulvormittags in Form von Epochenunterricht umfasst. Dabei lernt er seine Schüler sehr gut kennen und kann individuell auf ihre Stärken und Schwächen eingehen.

Für Lehrer an Waldorfschulen gibt es eine eigene Ausbildung, die in einem Vollzeitstudium oder auch berufsbegleitend auf die besonderen Erfordernisse des Waldorfschulunterrichts vorbereitet. Klassenlehrer begleiten ihre Klasse (1-8) über mehrere Jahre und erteilen jeden Morgen in den ersten beiden Schulstunden den Hauptunterricht – jeweils ein Fach über mehrere Wochen (Epochenunterricht). Nach zwei Stunden Hauptunterricht übernehmen Fachlehrer den Unterricht in Fremdsprachen, Sport, Eurythmie, Musik, Religion und in den handwerklichen Fächern.

In der Unter- und Mittelstufe geht es an der Waldorfschule nicht um die Fülle reinen Fachwissens. Vielmehr liegt der Schwerpunkt darauf, dass die Schüler eine lebendige Beziehung herstellen zu dem, was sie lernen, was sie sind und was sie an der Welt erleben. Auf diese kann Lernen Freude machen – ein Leben lang.

Das ist von Schule zu Schule verschieden. Aber es ist richtig, dass eine Klasse bis zu 38 (jedoch meist unter 32) Schüler stark sein kann.

In vielen Fächern werden die Klassen dann allerdings in zwei oder drei Gruppen geteilt. Kinder, die sich in einem Fach leichter tun, helfen denen, die es schwerer haben. Schülern, die ganz besonders schnell auffassen, geben die Lehrer schwierigere Zusatzaufgaben.

In einer großen Klasse entsteht durch die Vielzahl der unterschiedlichen Persönlichkeiten, Temperamente und Eigenschaften der Kinder über 12 Jahre eine soziale Gemeinschaft, in der die jungen Heranwachsenden aneinander lernen.

Ein guter Unterricht fährt sich nicht in Einseitigkeiten fest, sondern atmet. Reine Wissensvermittlung interessiert keinen jungen Menschen.

Wenn der Unterricht aber künstlerisch-dramaturgisch gestaltet wird, indem im rhythmischen Wechsel Spannungen aufgebaut und wieder gelöst werden, wird Schule lebendig. Waldorfpädagogik versucht, lebendigen Unterricht künstlerisch durchzuführen und seine Voraussetzungen mit Bewusstsein zu durchleuchten. Letzteres kann man auch Anthroposophie nennen.

Das Künstlerische in der Waldorfschule ist also kein Selbstzweck, sondern vor allem ein pädagogisches Mittel, das sich auch als geeignet erwiesen hat, Verhaltensauffälligkeiten und Gewalttendenzen in der Jugend entgegenzuwirken.

Jahresarbeiten sind selbständige Schülerausarbeitungen die sie über ein ganzes Schuljahr hinweg angefertigt haben.
Die Themen sind vielfältig und kommen aus allen Lebensbereichen, ob Biologie , Technik, Musik, Kunst etc.
Ziel ist es, dass der Schüler das selbständige Erarbeiten eines Stoffes lernt und diesen präsentieren kann.
Durch das eigenständige Verbinden mit einem Thema und der Arbeit daran, dem selbständigen Lernen und Formulieren erfahren Schüler einiges über ihre eigenen Fähigkeiten und Schwächen.
Es gibt Jahresarbeiten in der 12. Klasse die es mit der Diplomarbeit eines Studenten aufnehmen kann.
Die Jahresarbeit der 12. Klasse stellt den eigentlichen Waldorfabschluss dar.
In unserer Schule fangen die ersten Jahresarbeiten der 8. Klasse an

Nein. Ausdrücklich nein. Für Kinder, die Teilleistungsschwächen oder Verhaltensstörungen haben, gibt es - wie im staatlichen Schulsystem auch - besondere Waldorfschulen: die heilpädagogischen Förderschulen.

Aber es richtig, dass die Waldorfschule das gesamte Fähigkeitsspektrum von der Hauptschule bis zum Gymnasium abbildet. In der Oberstufe wird daher der Fachunterricht zum Teil nach dem Leistungsvermögen der Schüler geteilt, im Hauptunterricht bleiben sie zusammen.

An Waldorfschulen, die nicht ausdrücklich solche Sonderschulen sind, lernen Kinder aller Begabungsrichtungen wie an den staatlichen Regelschulen auch, nur dass hier neben intellektuellen Fähigkeiten gleichgewichtig auch soziale und handwerklich-künstlerische Fähigkeiten angesprochen werden.

Die Schüler aller Waldorfschulen sprechen am Anfang eines jeden Tages einen gemeinsamen Spruch, kein Gebet! Dieser Spruch begleitet Sie über die ganze Schulzeit. Er leitet den Unterricht ein trennt den Alltag vor der Schule von dem Lernen.

Morgenspruch in den vier unteren Klassen

Der Sonne liebes Licht,
Es hellet mir den Tag;
Der Seele Geistesmacht,
Sie gibt den Gliedern Kraft;
Im Sonnen-Lichtes-Glanz
Verehre ich, o Gott,
Die Menschenkraft, die Du
In meine Seele mir
So gütig hast gepflanzt,
Dass ich kann arbeitsam
Und lernbegierig sein.
Von Dir stammt Licht und Kraft,
Zu Dir ström' Lieb' und Dank.


Morgenspruch in den oberen Klassen

Ich schaue in die Welt,
In der die Sonne leuchtet,
In der die Sterne funkeln;
In der die Steine lagern,
Die Pflanzen lebend wachsen,
Die Tiere fühlend leben,
In der der Mensch beseelt
Dem Geiste Wohnung gibt;

Ich schaue in die Seele,
Die mir im Innern lebet.
Der Gottesgeist, er webt
Im Sonn'- und Seelenlicht,
Im Weltenraum, da draußen,
In Seelentiefen, drinnen.

Zu Dir, o Gottesgeist,
Will ich bittend mich wenden,
Dass Kraft und Segen mir
Zum Lernen und zur Arbeit
In meinem Innern wachse.

An der Waldorfschule stehen die naturwissenschaftlichen Fächer gleichgewichtig neben allen anderen Unterrichtsfächern. Das Fach Informatik ist fester Bestandteil an der Waldorfschule, wobei die Pädagogen Wert darauf legen, dass sich die Kinder, bevor sie die virtuelle Welt kennen lernen, mit der natürlichen Welt vertraut machen und ihre sozialen und schöpferischen Fähigkeiten an ihr entwickeln. In der Oberstufe ist der Umgang mit der Soft- und Hardware für jeden Waldorfschüler eine Selbstverständlichkeit.

An den Schulen finden regelmäßig öffentliche Veranstaltungen statt, darunter auch öffentliche "Monatsfeiern". In kleinen Klassenspielen, Rezitationen und anderen meist künstlerischen Darbietungen zeigen dort Schüler aller Klassenstufen, was sie sich gerade erarbeitet haben.

Die großen Klassenspiele der 8. und 12. Klasse werden öffentlich dargeboten.

Regelmäßig finden Einführungsveranstaltungen für interessierte Eltern statt.

Einige Waldorfschulen veranstalten einmal im Jahr einen Tag der offenen Tür, an dem jeder Interessent auch im Unterricht hospitieren kann.

Waldorfschulen entstehen aus örtlichen Elterninitiativen und werden vom jeweiligen Lehrerkollegium in Selbstverwaltung zusammen mit den Eltern geführt.
Jede Waldorfschule ist autonom und somit frei, bis in den Lehrplan eigene pädagogische Ansätze zu entwickeln. Trotz ihres nichtstaatlichen Charakters sind Waldorfschulen allgemein zugänglich, also "öffentliche Schulen" für jedermann.

Der Unterricht an einer Waldorfschule ist nicht einseitig auf Wissensvermittlung ausgerichtet. Waldorfschulen wollen verstandesmäßige, kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten bei den Kindern und Jugendlichen gleichmäßig entwickeln.

Vom ersten Schuljahr an lernen Waldorfschüler zwei Fremdsprachen. Jungen und Mädchen stricken, nähen und schneidern gemeinsam in der Handarbeit und sägen, hämmern und feilen gemeinsam im Werkunterricht.

In einer guten Unterrichtsstunde wird ein Waldorflehrer nicht alles bis zu Ende erklären, sondern bewusst wichtige Fragen offenlassen.

So gehen die Schüler mit der Frage in die Nacht. In einer gesund durchgeschlafenen Nacht kann eine Frage im Unterbewussten geistig aufkeimen, so dass sie am nächsten Tag mit einem ganz anderen Tiefgang von den Schülern aus behandelt werden kann. Daran kann wiederum der Lehrer nur aus Geistesgegenwart heraus seinen Unterricht anknüpfen, wobei er bereit sein muss, eventuell seinen vorbereiteten Stoff über Bord zu werfen.

Dann ist aus der Belehrungsanstalt eine lebendige Lernwerkstatt geworden, die bewusst das Geistige des Menschen in den Lernprozess mit einbezieht und die Individualität des Schülers zum Maßstab und zur Richtschnur des Unterrichtens macht. Wohl deshalb haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass die Einstellung der Schüler zu ihrer Schule durchschnittlich positiver ist als dies bei Schülern staatlicher Schulen der Fall ist.

Die Institution des Schularztes in der Waldorfschule verdient eine selbständige Betrachtung.

Seine Stellung innerhalb der Waldorfschule muss man unter zwei wesentlichen

Gesichtspunkten betrachten. Aus den letzten Kapiteln wird deutlich, welche Bedeutung in der Waldorfpädagogik die Gesundheitsthematik hat. Die Gesundheitssituation der Schuler genau zu beobachten, ist in der Waldorfschule primär eine Aufgabe der Lehrer, insbesondere der Klassenlehrer, die über acht Jahre alle Hauptfächer, meistens auch einige der Nebenfächerunterrichten und vor allem menschlich (durch „dieses bedeutsamste Verhältnis von Mensch zu Mensch“ zwischen dem erziehenden und unterrichtenden Menschen und den aufwachsenden Menschen„ Steiner) mit den Schülern verbunden bleiben. Gerade weil der Unterricht und überhaupt alles, was in der Klasse vorgeht, immer etwas einseitige Tätigkeiten sind und krank machen können, muss es gerade der Lehrer sein, der sich nicht bloß auf den Unterrichtsstoff, sondern auf ” den werdenden Menschen„ konzentriert und zwar auf ” den ganzen Menschen„ , nicht nur auf seinen Intellekt. Die geistig-seelisch-körperliche Entwicklungssituation des Schulers mit ihren Einseitigkeiten und Gefahren ist maßgeblich für die Gesundheitsentwicklung. Außerdem muss die ganze Erziehung und der ganze Unterricht im zweiten Jahrsiebt auf eine Belebung und Stärkung der Lebenskräfte hinangelegt werden.

Es soll also nach Steiner in der Schule nicht primär oder sogar ausschließlich der Schularzt” ein Spezialist„ sein, der nur alle heiligen Zeiten in die Schule kommt und mit ein paar Blicken den Gesundheitszustand eines Kindes beurteilt. Es wäre falsch, wenn man die Entwicklung der Schuler aufteilen wurde auf das Seelische, wofür der Lehrer zuständig ist, und auf das Körperliche, womit sich der Arzt befasst. Steiner will damit sicher nicht die Notwendigkeiten einer ärztlichen Behandlung in den Fällen bestreiten, in denen Kinderwirklich in akute oder chronische Krankheiten verfallen„ . Aber für das Hygienische, für das Sanitäre der Schulführung„ und auch für ” die Pädagogik und Didaktik„ mussten sich die Lehrer selbst im Hinblick auf die Gesundheit verantwortlich fühlen und sich mit dem Thema der pädagogischen Bedeutung einer Erkenntnis vom gesunden und kranken Menschen beschäftigen, auf dass die Schüler nicht übermäßig den Einseitigkeiten des Unterrichts ausgesetzt sind.

Nachdem wir in den einleitenden Vorträgen gesehen haben, wie zusammenhängt mit dem ganzen Gesundheitszustand des Menschen die Art, wie erzogen und unterrichtet wird, ist es ohne weiteres klar, dass eine wirkliche Pädagogik gar nicht ohne eine Berücksichtigung einerwirklichen Medizin sich entwickeln kann. Es ist ganz unmöglich, der Mensch muss eben nach seinen gesunden und kranken Verhältnissen beurteilt werden können von demjenigen, der ihn erzieht und unterrichtet, sonst kommt dasjenige heraus, was man auch schon fühlt: Man fühlt schon, dass der Arzt notwendig ist in der Schule. Man fühlt es stark und schickt den Arzt von außen hinein. Aber das ist die schlechteste Methode, die man wählen kann. - Wie steht der Arzt zu den Kindern? Er kennt sie nicht, er kennt auch nicht die Fehler, die zum Beispiel vom Lehrer gemacht werden und so weiter. Die einzige Möglichkeit ist diese, dass man eine solche pädagogische Kunst betreibt, wo soviel Medizinisches drin ist, dass der Lehrer konstant die gesundenden und kränkenden Wirkungen seiner Maßnahmen am Kinde einsehen kann. Aber wenn man außen den Arzt in die Schule hineinschickt, dadurch ist noch keine Reform durchgeführt.. Die Einstellung zum Schularzt wird auch in diesen Worten ausgesprochen.

Der Schularzt sollte dem Lehrer nicht die Aufgabe wegnehmen, den Gesundheitszustand der Schuler zu verfolgen. Damit wäre ein wesentlicher Gesichtspunkt ausgesprochen, der das Verhältnis des Lehrers und des Arztes beschreibt, indem Steiner den Lehrer nicht von der Aufgabe entlasten will, auch die gesundheitliche Situation der Schuler zu kennen. Es sollte nicht als eine Stellungnahme gegen den Schularzt verstanden werden, sondern als ein Erinnern an die gesundheitliche Dimension der Pädagogik selber.

Interessant ist hier auch Steiners Anmerkung über das ” Medizinische„ in der Waldorfpädagogik. Es steht in dem Zusammenhang von seinen Gedanken zur Lehrerbildung.

Steiner hält eine medizinische Grundbildung für einen wichtigen Teil der Lehrerbildung. Für die Pädagogik brauche man aber eine nicht nur aus der naturwissenschaftlichen Weltanschauung„ gewonnene, sondern eine geisteswissenschaftlich erweiterte Medizin, die vor allem das Sinnliche auf geistige Art und das Geistige auf sinnliche Art sehen„ könne.

Die Ausbildung von Arzt und Lehrer sollte sich wesentlich überschneiden: Der Arzt braucht eine etwas andere Menschenerkenntnis als der Pädagoge; nur eine etwas andere. Es wäre notwendig, dass die Pädagogik so viel als nur möglich von Medizin durchzogen wurde, wieder dass die Medizin soviel als nur möglich von Pädagogik durchzogen wurde.„. Das Konzept der waldorfpädagogischen Lehrerbildung enthält also eine medizinische Grundbildung und ein eingehendes Studium der anthroposophischen Anthropologie, die sich sowieso um eine ganzheitliche das Medizinische integrierende Menschenbetrachtung bemüht. Auch von daher sollten die Fähigkeiten der Lehrer herrühren, die Gesundheitssituation der Kinder zu beobachten und im Unterricht zu berücksichtigen.

Steiner ist zunächst der Meinung, dass es der Lehrer sein soll, der sich mit der Gesundheitssituation der Schuler beschäftigt. Er warnt vor dem Arzt-Spezialisten, der nicht in der Pädagogik und in der Schule drinnen steht und der die pädagogischen Gesichtspunkte nicht berücksichtigt. Der Lehrer andererseits musste sich in der medizinischen Betrachtung des Kindes schulen und das medizinische mit dem pädagogischen Wissen verbinden. Neben diesem ersten Gesichtspunkt, der, obwohl er zum Arzt kritisch ist, nicht als Gegenargumentation gegen den Schularzt verstanden werden sollte, gibt es einen anderen, der sich ergänzend zu dem ersten dann auf die konkrete Praxis des ersten Schularztes in der Freien Waldorfschule bezieht.397 Hierzu soll etwas über die Person des ersten Schularztes gesagt werden und dann über seine Aufgaben und Tätigkeiten.

Der erste Schularzt in der Freien Waldorfschule hieß Eugen Kolisko (1893-1939)398 und gehörte seit 1912 zu den österreichischen Schülern Steiners. Er war Arzt, der im Geiste der damals modernen ” Wiener Schule„ seine medizinische Ausbildung erhalten hat. Sein guter Freund W. J. Stein war vom Anfang an in Stuttgart als Waldorflehrer tätig, Dr. Kolisko kam ein Jahr später in die Waldorfschule. Er hatte dann von 1920 bis 1934 nicht nur als Schularzt zu arbeiten, sondern auch als Fachlehrer in den Fächern Englisch, Chemie und Naturkunde (speziell Anthropologie und Zoologie). Es war eine Persönlichkeit, die sich sehr intensiv mit der phänomenologischen goetheanistischen Naturwissenschaft beschäftigt hat399 und nachSchubert400 auch als Lehrer sehr begabt war.

Seine Position in der Schule war nicht die eines Außenstehenden, er war nicht ein Arzt, der wiederum außerhalb der Pädagogik nur in der Medizin drinnen steht„ . Zu seinen Aufgaben gehörte die Behandlung der Fälle, die ” an das Pathologische„ grenzen. Solche Fälle wurden auch in der pädagogischen Konferenz, die wöchentlich stattfand und an der alle Lehrer und auch der Schularzt teilnahmen, besprochen. Der Schularzt, der das Kindindividuell untersucht und auch in der Klasse des Kindes hospitiert hat, fugte dann medizinische Gesichtspunkte zu dem hin zu, was die Lehrer vorgebracht haben.

Da Steiner an den ersten Konferenzen auch gelegentlich teilnahm, ging er nach einer Einzelbetrachtung eines Schulers zu einer skizzenhaften Beschreibung der Aufgaben des Schularztes über: Diese Institution des Schularztes musste man einrichten und so gestalten, dass es akzeptiert werden könne von der öffentlichen Meinung. Man sollte eine besondere Institution des Schularztes schaffen. Der Schularzt, der meiner Idee nach da sein musste, der musste sämtliche Schulkinder kennen und im Auge behalten, der musste im Grunde genommen nicht einen speziellen Unterricht haben, sondern sich mit den Kindern sämtlicher Klassen beschäftigen, wie es sich ergibt. Den Gesundheitszustand sämtlicher Kinder musste er wissen,... das wurde eine vollamtliche Beschäftigung sein... Wir sind finanziell nicht soweit, dass wir es verantworten können... Es muss jemand sein, der ganz in der Schule drinnen steht.„ . Der Schularzt brauche zwar nicht ” einen speziellen Unterricht„ erteilen, Dr. Kolisko hat aber auch die Fächer wie Menschenkunde oder Gesundheitslehre, Hygiene und Erste –Hilfe unterrichtet und war damit auch ein Lehrer, der aus pädagogischen Gesichtspunkten herausurteilen konnte.

An der Tätigkeit des ersten Schularztes in der Waldorfschule könnte man Steiners Vorstellungen über die Arbeit des Schularztes veranschaulichen . Er war nicht nur ein Arzt, sondern auch ein Lehrer, der mit der Pädagogik der Schule vertraut war. Er war ein aktives Mitglied des Lehrerkollegiums, der die Schuler kennt, sie regelmäßig untersucht, in den einzelnen Klassen hospitiert, die Lehrer berät - über Spezialfälle oder über medizinische Zusammenhänge ihres Unterrichtes - und der in der Schule Sprechstunden anbietet.

An dieser Stelle sind vielleicht einige wenige Bemerkungen zu dem Selbstverständnis der anthroposophischen Medizin und Pädagogik angebracht. Was die anthroposophische Pädagogik und anthroposophische Medizin verbindet, ist die gleiche Art der Menschenbetrachtung und daher findet man hier zwischen ihnen auch Berührungspunkte, sonst gehört im Unterschied zur Pädagogik, die prophylaktisch wirken solle, der Medizin der Bereich der Therapie.

Die Pädagogik habe die Gesundheit zu fördern durch das ” In-Einklang-Versetzen„ der Wesensglieder, durch die Stärkung der Lebenskräfte und des rhythmischen Systems, durch das Harmonisieren der anderen organischen Systeme, durch die Sinnespflege usw. Die Medizin habe andererseits ” das Pathologische„ zu behandeln und zu heilen. Die Medizin habe” die Substanzen und Kräfte„ zu kennen, die durch ihre Anwendung den Heilungsprozess von der Krankheit zur Gesundheit hinfuhren. Die Medizin muss dort ansetzen, wo die Pädagogiknichts mehr erreichen und bewirken kann. Neben dem Schularzt hat Steiner bald nach dem Anfang der Waldorfschule auch einen Förderlehrer (Karl Schubert), eine Heileurythmistin (Elisabeth Baumann-Dollfus) und einen auch therapeutisch arbeitenden Mallehrer (Max Wolffhügel) eingeführt, um die gesundende Wirkung der Schule noch zu verstärken.

Gesundheitsförderung und Waldorfpädagogik

Dissertation
zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Philosophie
an der Fakultät für Pädagogik
der Universität Bielefeld
Vorgelegt von Tomas Zdrazil Dezember 2000

Zunächst einmal ist «Sprachgestaltung» kein Name oder gar geschütztes Markenzeichen für einen besonderen Sprechstil, sondern ein Begriff, der zunächst nichts anderes besagt, als dass die Sprache gestaltet wird. So wird er auch unter Schauspielern oder Rednern angewandt.

Wichtig sind nun die Gesichtspunkte, nach denen diese Gestaltung erfolgt. In unserem Alltag sind uns diese meist unbewusst: der Bau von Worten und Sätzen folgt einfach unseren Gedanken. Sehr häufig verwenden wir dabei auch Gewohnheitsfloskeln, die wir gar nicht mehr bedenken. Anders ist es schon, wenn wir einen schwierigen Sachverhalt erklären wollen: da ringen wir um Worte und Wendungen mit denen wir das, was wir innerlich erleben «aus»drücken können. Manchmal lassen wir uns dabei sogar Neuschöpfungen einfallen.

Aber auch unsere Gefühle drücken sich über den Tonfall der Sprache unmittelbar aus: es wird sofort hörbar, ob jemand traurig oder fröhlich, mutig oder zaghaft ist. Damit geht man ja bei jeder Art von Schauspielen ständig um. Doch anders als im Alltag, wo das innere Erleben unbeabsichtigt die Sprache gestaltet, lässt das bewusste Gestalten der Sprache sofort Fragen nach der Wahrheit entstehen: mache ich den Zuhörern nur etwas vor? oder erlebe und meine ich wirklich, was ich sage? stülpe ich meine eigene Empfindung auf andere über? oder lasse ich den Zuhörer frei, eigene Gefühle zu entwickeln? Hier wird der Schritt zur Manipulation leicht überschritten: es soll dann etwas Bestimmtes beim Zuhörer erreicht werden.

Mit Recht haben viele Menschen heute in dieser Richtung ein feines Empfinden und lehnen eine übertriebene, pathetische Sprechweise ab. Andererseits ist aber ein rein intellektuell­versachlichtes und seelenloses Sprechen oder aber provozierendes Hinausschleudern von Sprach«fetzen» ­ die der Zuhörer dann erst einmal verdauen muss ­ sicher auch nicht mehr als eine Zeiterscheinung ­ sozusagen ein Pendelschlag in die andere Richtung. Wie aber kann mit Sprache so umgegangen werden, dass sie wirklich Seelisches vermitteln kann, ohne dabei den Bereich des Freiheitsempfindens des anderen Menschen zu stören? Nun gehört es ja gerade zum Ureigensten der Sprache, dass sie vermittelnd zwischen den Menschen steht. Hätten nicht ihre Worte neben dem, was sie nur für mich bedeuten, einen allgemeinen Sinn, könnten wir uns nicht verständigen: so knüpft sicher jeder an ein Wort, z.B. «Apfel» andere Vorstellungen, Empfindungen und Erlebnisse ­ aber trotzdem muss klar sein, dass es nicht um eine Birne geht.

Gehen wir aber von den Worten, die alle einen gedanklichen Inhalt haben, zu den kleineren Elementen, den Silben und Lauten über, so können wir finden, dass diese bis auf wenige Ausnahmen (etwa «Ei») nichts bezeichnen ­ dafür aber einen starken Gefühls­ oder auch Willensausdruck haben: Ahhh! Oh! Iiii! Mmmm! Ha! Sch! Psss! P! T­t­t­t ­ diese Lautäußerungen sagen uns unmittelbar etwas, ohne dass wir darüber erst nachdenken müßten. Laute sind elementar verständlich ­ und gehören deshalb nicht der gedanklich­gepflegten Ebene unserer Hochsprache an. Will man künstlerisch mit der Sprache umgehen, ist der erste Schritt, sich diesen Elementen der Sprache erlebend gegenüberzustellen: anders als im Alltagssprechen geht es jetzt nicht darum, etwas mit Lauten oder Worten zu sagen, sondern umgekehrt zu lauschen: was sagt mir der Laut? was sagt mir das Wort als Lautgebilde, nicht als Sinnträger? was für eine Gebärde lebt darin? (In der letzten Frage lebt zugleich schon eine Hinführung zur Eurythmie, die diese Gebärden dann mit den Gliedern sichtbar werden läßt) Eine Hilfe, zu erleben, was ein Laut eigentlich «macht», ist auch, sich einmal Worte zu nehmen, die eine Vorsilbe haben: z.B. «ge­» und dann spielerisch zu lauschen: geben ­ ge­geben, sehen ­ ge­sehen... oder «be­»: leben ­ be­leben, nehmen ­ be­nehmen, raten ­ be­raten..., «er­»: er­raten, er­leben,... Man kann dann finden, dass es zwar nicht ganz leicht ist, das Gesetzmäßige eines Lautes in Worte zu fassen, ­ es entzieht sich fortwährend der Definition (d.h. wörtlich: Abgrenzung) ­ aber eine bestimmte Gebärde ist doch klar erlebbar. Auch Dichter gehen mit Lauten und Lautstimmungen bewußt oder unbewußt um.

Übt man länger so (d.h. sprechend und lauschend) an der Sprache, wird sie plastischer und beweglicher. Man kann sie dann als etwas erleben, was im Raum zwischen den Menschen lebt. Dies hat nichts zu tun mit einem verstärkten Artikulieren (etwa vergleichbar dem Muskeltraining), sondern damit, dass das Erleben der Sprache verstärkt wird. In diesem Sinne sprach Rudolf Steiner davon, dass im Schulen der Sprache nicht technisch vorgegangen werden soll, sondern «am Laut das gelernt werde, was zu lernen ist».

Martin-Ingbert Heigl (mehr unter widar.de)

Auch wenn Waldorfschulen in der Unter- und Mittelstufe auf Noten verzichten, korrigieren die Lehrer selbstverständlich alle Schülerarbeiten. Sie lassen es aber nicht bei dürren Noten bewenden, sondern formulieren individuelle Beurteilungen. In den Zeugnissen gehen die Lehrer ausführlich auf die Persönlichkeitsentwicklungen und auf die Lernfortschritte ihrer Schüler ein.

Die Waldorfpädagogik richtet sich nach den Entwicklungsphasen der Kinder und der Jugendlichen. Deshalb ist nicht der Wissenstand, sondern die Gesamtentwicklung entscheidend. Von der ersten bis zur zwölften Klasse bleiben die Schüler nach Möglichkeit selbst dann in einer festen Klassengemeinschaft, wenn ihre Leistungen vorübergehend nachlassen. Niemand bleibt sitzen.

Auch die gesunde Entwicklung emotionaler Intelligenz soll an der Waldorfschule gefördert werden.

Darum sollte der Lehrer die verschiedenen seelischen Konstitutionen der Kinder in den Unterricht mit einbeziehen. So wird z.B. selbst der Rechenunterricht wesentlich abwechslungsreicher und spielerischer, wenn im Klassengespräch auch auf die Temperamente der Kinder Rücksicht genommen wird.

Die vier klassischen Temperamente sind dabei nur Anhaltspunkte. Für die ausgewogene seelische Entwicklung kann es hilfreich sein, wenn der Lehrer für seelische Qualitäten Sensibilität entwickelt und sie auch in seinen Unterricht mit einbezieht.

Anders als bei Staatsschulen wird bei uns am Ende des Schuljahrs ein Textzeugnis erstellt, in dem jeder Fachlehrer einige Zeilen bzw. in der Unterstufe zusätzlich der Klassenlehrer meist 2 Seiten über den Schüler schreibt.

Wir gehen davon aus, dass die Schüler nicht nur Leistungen erbringen, sondern mit Hilfe der Unterrichtsinhalte eine Entwicklung durchmachen, die im Zeugnis festgehalten wird. Ein Beispiel:
Ein "schwacher" Schüler begeistert sich für gewisse Unterrichtsinhalte und beginnt, entgegen seiner Gewohnheit, umfangreichere Hausaufgaben zu schreiben, bis er irgendwann solche Verständnisschwierigkeiten hat, dass er aufgibt. Nun ermutigt ihn der Lehrer, nicht aufzugeben, er erklärt ihm zusätzlich die Aufgaben und erkennt, dass der Schüler tatsächlich Lernwillen zeigt, diesen auch konstant einsetzt, allerdings einige Verständnisschwierigkeiten hat. Das Endergebnis, die "Leistung", wird nicht so gut sein, wie bei anderen Schülern, allerdings besser als vorher.
Ist es in diesem Falle nicht sinnvoll, den Lerneifer zu loben, d.h. diese Leistung zu bewerten und nicht (nur) das Endergebnis? Der Schüler wird dankbar sein und seinen Lerneifer gewiss auch in anderen schulischen Tätigkeiten einsetzen.

Die Praxis zeigt, dass gerade Waldorfschüler von Ausbildern besonders geschätzt werden.

In einer Schule, die nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten anspricht, können sich Schlüsselqualitäten wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, prozessual zu denken, vom ersten Schultag an entwickeln.

Der von Rudolf Steiner entwickelte pädagogische Ansatz ist multikulturell und hat sich in den unterschiedlichsten kulturellen und sozialen Umfeldern unter manchmal schwierigsten Bedingungen umgesetzt, z. B. in den Favelas Brasiliens oder als gemischtrassige Schule unter der Apartheidspolitik Südafrikas.

So gibt es 2015 insgesamt 1063 Waldorfschulen. In Europa sind es 720, ein Drittel davon in Deutschland.

Jedes Jahr kommen derzeit ca. 30 Schulen hinzu. Waldorfschulen sind damit die größte von Staat und Kirche unabhängige Schulbewegung. Sie sind nicht zentral organisiert, schließen sich allerdings in regionalen, nationalen und internationalen Verbänden zusammen und unterhalten eine eigene Lehrerausbildung in derzeit 64 Lehrerseminaren und Hochschulen sowie einer Vielzahl berufsbegleitender Seminare.

Die Vermittlung von Weltanschauungen – gleich welcher Art – würde der pädagogischen Grundintention der Waldorfpädagogik widersprechen. Gleichwohl haben alle Schüler die Möglichkeit, an einem Religionsunterricht der Konfessionen oder an einem freien christlichen Unterricht teilzunehmen.

Darüber hinaus versuchen die Waldorfschulen, durch bildhaften und phänomenologischen
Unterricht, durch Pflege der Phantasie und des künstlerischen Weltverstehens in den Schülern Fähigkeiten auszubilden, die über die rein analytische und quantitative Betrachtungsweise der Natur und des Menschen hinausführen und bei den jungen Menschen Offenheit für verschiedene Weltauffassungen veranlagen

Bei Abschlussqualifikationen werden Notenzeugnisse erstellt; ansonsten werden innerhalb der Waldorfschulzeit detaillierte schriftliche Charakterisierungen des Schülers und seiner Leistungen von jedem Lehrer und in jedem Fach gegeben.

Formale Versetzungsentscheidungen und damit ein "Sitzenbleiben" gibt es nicht. Die Schüler befinden sich in einem gemeinsamen Verband von auf einer gleichen Entwicklungsstufe bestehender.

Das Zeugnis stellt für Eltern und Schüler ein Gutachten dar, dass einen Überblick über den Leistungsstand gibt, aber auch Ausblicke und Wege für das neue Schuljahr aufzeigen soll.

Aufgrund des engen Kontaktes der Lehrer zu den Eltern ist der sind die schulischen Dinge für beide Seiten sehr transparent.